Plan G: Newsletter #25 — Warum Kontext so wichtig ist

Gute Gesundheitsentscheidungen passieren nicht im luftleeren Raum, sondern in einer bestimmten Situation. Und der Kontext kann die Entscheidungen leicht oder schwer machen. Beispiel: Ich kann noch so viel über die Therapieoptionen für meine Erkrankung gelesen haben — wenn ich im Behandlungszimmer nicht zu Wort komme oder nur fünf Minuten Zeit sind, wird es mit dem Diskutieren und Abwägen schwierig. Und noch schwieriger wird es, wenn mir die Voraussetzungen fehlen, um mich vorab zu informieren.

Der Kontext des Gesundheitssystems

Lange Zeit wurde das Thema Gesundheitskompetenz fast ausschließlich unter dem Stichwort persönliche Fähigkeiten, sprich als Bildungsproblem diskutiert. Seit einigen Jahren gibt es aber einen Perspektivenwechsel: Inzwischen sind auch das Gesundheitssystem und seine Organisationen als Hürden für gute Gesundheitsentscheidungen in den Blick gerückt. Oder positiv formuliert: Wie kann das Gesundheitssystem Menschen gute Entscheidungen ermöglichen?

Ein gelungenes Beispiel hatte Silke im letzten Monat in zwei Beiträgen beleuchtet: Das Projekt “Share to Care” am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel (und im Interview erzählt Fülöp Scheibler, einer der Mitbegründer, über die Ideen dahinter). Hinter diesem konkreten Projekt steckt aber ein ganzes Konzept mit einem etwas sperrigen Namen: “Organisationale Gesundheitskompetenz”. Darüber habe ich mit Eva Maria Bitzer gesprochen, die als Professorin für Medizin in der Gesundheitspädagogik seit vielen Jahren zum Thema forscht: Was können Organisationen konkret tun, um Menschen Gesundheitsentscheidungen zu erleichtern? Gerade in Zeiten von Corona stellen sich da viele Fragen.

Der Kontext von Zahlen

Das gilt übrigens auch für Angaben, die zu den Corona-Impfstoffen in den Medien kursieren. Was heißt denn genau “95 % Wirksamkeit”? Wenn der eine Impfstoff eine Wirksamkeit von 95 % hat und der andere eine von 60 % — lassen sich die beiden wirklich direkt vergleichen? Diese Beispiele zeigen: Damit du solche Angaben richtig einordnen kannst, braucht es eine Menge Kontext. Was das bedeutet, habe ich versucht, in diesem Erklärtext einmal genauer aufzudröseln.

Die Einordnung von Zahlen ist übrigens auch eine wichtige Aufgabe im Journalismus und das gelingt meiner Beobachtung nach mal besser, mal nicht so gut. Warum das so schwierig ist, wie es besser geht und worauf du auch als Medien-Konsument:in achten kannst, diskutiert eine spannende Episode von “Risky talk”, dem Podcast des britischen Statistikers David Spiegelhalter aus dem Winton Centre for Risk and Evidence Communication an der Universität Cambridge.

Der Kontext von Risiken

„Context matters“ — auch wichtig, wenn es um die Einordnung von Risiken geht, etwa bei den Nebenwirkungen der Corona-Impfstoffe. Wie wir solche Risiken wahrnehmen und bewerten, dabei spielen auch eine ganze Reihe von psychologischen Phänomenen eine Rolle. Das haben in der letzten Zeit etwa ein Interview auf Zeit Online mit dem Risikokompetenz-Forscher Gerd Gigerenzer und ein Feature in Deutschlandfunk Kultur beleuchtet.

Einen wichtigen Kontext, um die Nebenwirkungen von Corona-Impfstoffen richtig einzuschätzen, bildet die Frage: Welche Nebenwirkungen hat eigentlich das Nicht-Impfen? Dazu hat das Winton Centre Grafiken für Vaxzevria, den Impfstoff von AstraZeneca, entwickelt, die auf der Basis von Zahlen für das Vereinigte Königreich die Risiken bei Geimpften und Nicht-Geimpften vergleichen — je nach Altersgruppe und Pandemie-Situation. Die EMA hat diesen Ansatz aufgegriffen und mit den entsprechenden Zahlen für die EU dargestellt. Allerdings sprechen auch die Zahlen in den Grafiken nicht für sich selbst, sondern — du ahnst es schon — brauchen Kontext: Das habe ich letztens auf Twitter ausführlich diskutiert.

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