Plan G: Newsletter #24 — Der Vorteil von „Alle zusammen!“

Viele von uns machen sich Sorgen, dass die Pandemie eine Entwicklung verstärkt, die schon lange vor dem Virus begonnen hat: Es wird immer schwerer, sich auf Kompromisse zu einigen. Immer mehr Menschen ordnen sich Teams zu, die sich teilweise recht aggressiv gegenüberstehen. Statt nach Nuancen in der Debatte zu suchen oder zumindest dafür offen zu sein, scheint sich Schwarz-Weiß-Denken immer mehr durchzusetzen.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass ausgerechnet ein Gesundheitsthema diese Entwicklung verstärkt. Obwohl es uns gleichermaßen betrifft, trifft es Menschen ganz unterschiedlich — das ist ein typisches Merkmal, wenn es um Krankheit und Gesundheit geht. Wer vom Einzelfall aufs große Ganze schließt oder mit einem One-Size-fits-All-Prinzip jeden und jede beglücken will, scheitert in der Regel. Die Versuchung ist groß, anzunehmen, dass die Perspektive der anderen nicht so entscheidend ist, wenn man sich schon unzählige Stunden selbst mit Corona und allem, was damit zusammenhängt, beschäftigt hat.

Wir sammeln heute im Newsletter Beispiele, die zeigen, was möglich ist, wenn Menschen ein gemeinsames Ziel verfolgen und dabei ganz unterschiedliche Perspektiven einbeziehen.

Wie ein ganzes Krankenhaus bessere Gesundheitsentscheidungen ermöglicht

Bereits vor einigen Jahren ist Iris und mir ein spannendes Projekt aufgefallen. Es nennt sich Share to Care und wurde bereits auf diversen Kongressen im Zusammenhang mit evidenzbasierter Medizin vorgestellt, zuletzt auf dem Cochrane-Symposium Ende Februar. Unseren Bericht zum Symposium kannst du im Text Was brauchen Menschen, um gute Gesundheitsentscheidungen zu treffen? nachlesen. Ziel des Projekts Share to Care: Herausfinden wie sich die Entscheidungsprozesse in einem ganzen Krankenhaus so gestalten lassen, dass Patientïnnen wirklich über Untersuchungen und Behandlungen mitentscheiden können.

Dazu hat sich ein Team aus unterschiedlichen Berufsgruppen zusammengetan und das Konzept Share to Care erarbeitet. Gestartet ist das Projekt 2017 am Campus Kiel am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Was genau Share to Care ist und welche Ziele das Uni-Klinikum damit verfolgt, stellen wir im ersten Teil einer zweiteiligen Serie vor: “Share to Care: Besser entscheiden in der Klinik”. Im zweiten Teil kannst du ein Interview mit Fülöp Scheibler lesen. Er ist Teil des Leitungsteams und erzählt, welche Erfahrungen das Team und die Kliniken gemacht haben, welche Hürden dabei überwunden werden mussten und wie die Zukunft für Share to Care aussieht.

Lese- und Hörtipp 1: Eine der wichtigsten Corona-Studien der Welt

Es läuft nicht alles schlecht in der Pandemie. Ein Lichtblick ist zum Beispiel die Recovery-Studie. Sie koordiniert im Vereinigten Königreich (und seit Kurzem auch in einigen anderen Ländern) an vielen Orten gleichzeitig die Suche nach Medikamenten gegen Covid-19. Viele andere Untersuchungen gehen unsystematischer nach dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip vor und testen immer nur kleine Patientengruppen. Dabei ist es jedoch schwierig, die Ergebnisse und Erfahrungen zusammenzuführen, sodass es oft dazu kommt, dass immer wieder die gleichen Irrwege beschritten werden.

Dieser Text und dieser Podcast (beide auf Englisch) erzählen die Geschichte der Recovery-Studie — einer Studie, die von Anfang an auf die Macht der Zusammenarbeit und der guten Wissenschaft gesetzt hat. Das Kernstück ist dabei die Randomisierung (in dieser Folge des Podcasts Evidenz-Geschichte(n), die Iris und ich vor drei Jahren veröffentlicht haben, erfährst du mehr über dieses Prinzip). Wenn dich interessiert, was sonst noch außergewöhnlich ist an dieser Studie und wie sie herausgefunden hat, dass gehypte Mittel wie Hydrochloroquin kein Weg sind, Dexamethason hingegen Tausende Leben von Covid-Erkrankten retten kann, dann klick dich mal durch die Links.

Lese- und Hörtipp 2: Nebenwirkungen richtig einordnen

Der Wirbel um den Impfstoff von Astra Zeneca reißt nicht ab. Iris hat im Corona-FAQ-Bereich von Riffreporter dazu zwei hilfreiche Texte veröffentlicht: Zuerst Impfstopp für AstraZeneca: Was wir wissen und wie es nun weitergeht und schließlich Expertïnnen der EU-Arzneimittelagentur stufen Corona-Impfstoff von AstraZeneca weiter als sicher ein.

Es geht bei den Fragen um den Impfstoff vor allem um Nebenwirkungen — ein Thema, das schon immer für viel Verwirrung sorgt. In diesem Text findest du ganz grundlegende Informationen dazu, wie du mit den Angaben über Nebenwirkungen umgehen kannst.

Einen sehr hörenswerten Beitrag zum Thema haben die Riffreporter-Kollegïnnen Edda Grabar und Joachim Budde für den Deutschlandfunk produziert. Darin berichten sie über die Suche nach Nebenwirkungen bei Impfstoffen und erklären den Prozess dahinter.

Alle zusammen — auch bei Riff Plan G

Auch bei Riffreporter setzen wir auf die Vorteile von „Alle zusammen!“. Wir haben uns mit 100 freien Kollegïnnen zusammengetan und veröffentlichen auf der Riffreporter-Plattform gemeinsam Texte, die uns am Herzen liegen. Die Beiträge von Plan G stehen für alle frei zur Verfügung, damit mehr Wissen für bessere Gesundheit mehr Menschen erreichen kann.

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Vielen Dank fürs Mitmachen!

Herzliche Grüße, auch von Iris,

Silke

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