Plan G, Newsletter #19: Aktion für mehr Gesundheitskompetenz

Nur Freundschaft oder schon Liebe?

Allerdings ist das mit der Gesundheitskompetenz manchmal schwierig und gute Gesundheitsentscheidungen sind im Detail meist ziemlich komplex. Oft geht es dabei um die Frage, wie groß etwa der Nutzen oder der Schaden einer Behandlung ist, und damit häufiger mal um Zahlen.

Halt, nicht abschalten! Denn Zahlen sind deine Freunde, auch wenn sie dir vielleicht manchmal so den Kopf verdrehen, dass dir schwindlig wird, und das Herz schneller schlagen lassen. Vielleicht ist das aber gar kein Alarmsignal, sondern der Beginn einer großen Liebe…?

Willst du das herausfinden? Dann empfehlen wir dir für den Einstieg unser kleines Quiz, das wir in diesem Monat veröffentlicht haben — inklusive der Auflösung.

Stichwort: Verlässliche Gesundheitsinfos

Was außerdem zum Thema Gesundheitskompetenz wichtig ist: Zuverlässige Gesundheitsinformationen schnell zu finden. Auch das ist gar nicht so einfach, denn diese Infos sind oft weit im Netz verstreut. Deshalb ist es grundsätzlich eine gute Sache, dass zum 1. September jetzt endlich das lange geplante Nationale Gesundheitsportal online gegangen ist. Für dich haben wir uns die Seite mal genauer angeschaut. Unser Fazit: Es gibt viele positive Ansätze, aber auch deutliche Lücken und offensichtliche Baustellen. Wenn du es genauer wissen willst, lies doch einfach unseren Artikel.

Weißt du, was gute Gesundheitsinformationen ausmacht? Dann teste dich im Quiz zum Thema, das die Österreichische Plattform Gesundheitskompetenz veröffentlicht hat.

Traue niemandem, der sich sicher ist

Eine andere Sache, die gute Gesundheitsentscheidungen so schwierig macht, ist die Unsicherheit von Erkenntnissen. In Zeiten von Corona wissen alle, was damit gemeint ist. Gleichzeitig erleben wir aber auch immer öfter, dass Menschen mit echter Expertise dennoch der Versuchung auf den Leim gehen, sich mit vermeintlichen Gewissheiten zu profilieren: Wie sich die Lage einordnen lässt und was wann genau zu tun oder zu lassen ist.

Das betrachtet ein Editorial, verfasst unter anderem von dem britischen klinischen Epidemiologen George Davey Smith im BMJ mit Sorge, führt diese Gewissheit doch häufig zu Polarisierung und Grabenbildung und beschädigt nebenbei auch noch das Vertrauen in die Wissenschaft. Denn die lebt davon, dass man in Zeiten, in denen die Unsicherheit insgesamt groß ist, flexibel bleiben muss: Immer dann, wenn es neue Erkenntnisse in der Wissenschaft gibt, muss geprüft werden, ob die Lage anders zu bewerten ist als zuvor — auch um den Preis, dass sich die bisherige eigene Überzeugung im Licht der neuen Erkenntnisse als falsch herausstellt.

Möglicherweise entwickelt sich da auch gerade ein interessantes neues Genre von Interessenkonflikt-Erklärungen: Nicht durch finanzielle Verflechtungen, sondern wenn sich jemand mit großer Vehemenz auf eine bestimmte Einschätzung eingeschossen hat und die angesichts neuer Erkenntnisse nicht ohne Gesichtsverlust revidieren kann — also “emotionale Interessenkonflikte”. Das thematisiert indirekt die Fußnote zum Editorial, die die Interessenkonflikte der Autoren auflistet: “All three authors have been wrong about covid-19”. Emotionale Interessenkonflikte sind in Zeiten der Corona-Pandemie vielleicht ein Thema, über das wir mal mehr nachdenken sollten.

Übrigens: Am 20. November veranstaltet das BMJ mit dem Erstautoren George Davey Smith und weiteren Referent:innen ein Webinar zum Thema “Handling scientific uncertainty in a pandemic”. Das Programm steht noch nicht genau fest, aber ich habe mir mal ein Lesezeichen gesetzt …

Plädoyer für einen kühleren Kopf

Klar: In einer Pandemie müssen trotz Unsicherheit Entscheidungen getroffen werden und “hätte, könnte, möglicherweise” rettet keine Menschenleben und sichert keine Bildungschancen. Aber vielleicht könnte ein noch stärkeres Bewusstsein für die Unsicherheit dazu beitragen, die erhitzten Debatten zu dämpfen, so dass wir alle mit etwas kühlerem Kopf auf die Situation schauen und in den Abwägungen vielleicht auch bessere Entscheidungen treffen können?

Dafür plädiert nicht nur das Editorial im BMJ, sondern auch ein Kommentar von Vinay Prasad auf MedPage Today. Er beklagt die “Tribalisierung” der Debatte, bei der Menschen je nach ihren Äußerungen in die Schubladen “gehört zu meinem Stamm” oder “gehört nicht zu meinem Stamm” eingeteilt werden. Oft ist die volle Gefühlsladung inklusive und immer ist das verbunden mit der Überzeugung, dass natürlich nur die eigene Meinung richtig sein kann. Ähnlich wie in dem alten Witz: Auf der Autobahn ist jeder, der dich überholt, ein übler Raser, und jeder, der langsamer fährt als du, eine übervorsichtige Schnecke. Prasad weist zu Recht darauf hin, dass es angesichts der häufig dünnen Evidenz oft eine ganze Reihe von “vernünftigen” Ansichten gibt, zu denen man unter Abwägung der verschiedenen Werte kommen kann. Wie würde sich die Debatte verändern, wenn wir alle das noch mehr auf dem Schirm hätten?

Große Liebe für alle Unterstützer:innen

Weiter oben war ja schon von Herzklopfen die Rede: Das kriegen wir immer, wenn wir die Klicks, Likes und Kommentare sehen, die ihr uns auf Social Media da lasst.

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Wir sagen in jedem Fall: Vielen Dank!

Herzliche Grüße, auch von Silke,

Iris

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